Netzwerk für integrierte Tinnitus-Therapien
Das Ziel: Lebensqualität und Wahrnehmung koordiniert steigern
Fast alle Menschen kennen Ohrgeräusche (lat. Tinnitus), die nur sie allein wahrnehmen. Meist lässt das störende Pfeifen, Rauschen oder Surren bereits nach kurzer Zeit wieder nach. Halten die Phantomgeräusche jedoch länger als drei Monate an, können sie Wahrnehmung und Lebensqualität massiv beeinflussen. Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten eines chronischen Tinnitus sollten daher rechtzeitig untersucht werden. Das Hörzentrum Freiberger pflegt mit Fachärzten und Therapeuten ein interdisziplinäres Netzwerk, das sich auf dieses Thema spezialisiert hat.
Unser gemeinsamer Ansatz basiert zunächst auf einer gründlichen medizinischen Anamnese und Tinnitusanalyse. Ursache der Ohrgeräusche können beispielsweise Verengungen der großen Halsgefäße, Abnutzungen der Halswirbelsäule, Kiefergelenksstörungen, Stoffwechselerkrankungen oder Bluthochdruck sein. Auch seelische Belastungen oder „Stress" können Tinnitus auslösen und verstärken. Häufigste Ursache sind jedoch Schäden des Innenohrs (z.B. Lärm- bzw. Knalltrauma, Altersschwerhörigkeit, Hörsturz).
Das Besondere am chronischen Tinnitus ist, dass die subjektiv wahrgenommenen Phantomgeräusche weitgehend unabhängig von der eigentlichen Ursache im Limbischen System sowie autonomen Nervensystem entstehen. Da das Ohr dem Gehirn nicht mehr ausreichend akustische Informationen liefert, kommt es zu einer Überkompensation beziehungsweise Eigenerregung im auditorischen Kortex.
Bereits mit der individuellen Anpassung von Hörgeräten oder Hörimplantaten lässt sich diese Eigenerregung häufig reduzieren. Weiter können Hörgeräte der neusten Generation zum Tinnitus einen "Gegenschall" erzeugen. Gezielt und abgestimmt auf die jeweilige Klangumgebung heben sie die Geräusche eines zuvor als angenehm definierten Frequenzbereichs hervor. Der "Gegenschall" hüllt die Phantomgeräusche ein und mindert sie ab.
Weitere Behandlungsansätze sind Tinnitus-Retraining-Therapie und Coordinated Reset. Hinter der Tinnitus-Retraining-Therapie steht ein integriertes Konzept. Es zielt darauf, die Eigenerregung im auditorischen Kortex zu reduzieren und die verbleibenden Phantomgeräusche durch Gewöhnung ebenso wie andere unwichtige Hintergrundgeräusche aus der Wahrnehmung auszufiltern. Dies geschieht durch ärztliche Beratung, psychologische Betreuung, das Erlernen von Entspannungstechniken zur Vermeidung von Stress sowie eine Versorgung mit Hörgeräten und „Noisern“ (Rauschern). Die Noiser sind als Hinter-dem-Ohr- und Im-Ohr-Geräte verfügbar. Sie erzeugen ein permanentes, leises Therapierauschen. Dadurch vermeiden sie die Stille, in der ein Tinnitus meist als besonders laut und störend empfunden wird.
Der Coordinated Reset ist eine partielle Fortentwicklung dieses Konzepts. Er basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass sich für einen Tinnitus verantwortliche Nervenzellen (Neuronen) des auditorischen Kortex durch Tonsignale funktional beeinflussen lassen. Am Beginn des Coordinated Reset steht die Ermittlung des spezifischen Tinnitusprofils. Dieses ist Basis zur individuellen Programmierung eines etwa streichholzschachtelgroßen Neurostimulators, der in einer spezifischen zeitlichen Taktung Tonsignale erzeugt. In den meisten Fällen lassen sich die Ohrgeräusche dadurch zunächst abschwächen. Die Programmierung des Stimulators wird dann regelmäßig an die Veränderungen des Tinnitusprofils angepasst, um die Phantomgeräusche möglichst vollständig zu beseitigen.
Gern beraten wir Sie im Hörzentrum Freiberger zu den verschiedenen Formen der Tinnitusbehandlung und vermitteln Ihnen innerhalb unseres Netzwerks von Fachärzten und Therapeuten geeignete Ansprechpartner für Tinnitus-Retraining-Therapie und Coordinated Reset. Unser gemeinsames Ziel: Wahrnehmung und Lebensqualität steigern.
